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    Der 25-jährige Rückblick des Fotofux - das Jahr 1987

     

    Das Jahr 1987 bleibt für mich als Jahr der Veränderungen in Erinnerung. Privat stand alles im Zeichen des Präsenzdienstes, der wie alle gsunden und wiffen Österreicher ja wissen doch einige Veränderungen im Privatleben mit sich bringt. Da gibt es jede Menge Zeit zum Denken, aber auch jede Menge „kein Geld“. Für mich war es aber ideal, da ich endlich die Zeit hatte mich auf Rennen ordentlich vorzubereiten und mein Kompaniekommandant dürfte wohl auch ein Motorsportfan gewesen sein, denn es gab zu allen größeren Rennen eine Freistellung und ich konnte mich statt Dreckfressen fotografisch richtig ins Zeug legen. (Danke noch mal nachträglich an diesen netten Vorgesetzten). Im Motorsport stand alles im Zeichen des Umbruchs, denn die Gr. A stand in den meisten Rennserien als „Lebensretter“ im Lastenheft. Egal ob in den diversen Tourenwagenserien oder im Rallyesport, denn die Gr. A brachte fast von jedem Autohersteller ein Basisprodukt und die geilen Gr. B Boliden im Rallyesport und die Turboriesen aus der deutschen Produktionswagenmeisterschaft im Rundstreckensport  wurden schön langsam aufs Abstellgleis gestellt. Alle die sich mit dem Abschied dieser geilen Dinger aber nicht abfinden wollten, brachte aber schon das Jahr 1987 wieder Hoffnung, denn die meisten Gr. B Fahrzeuge kamen in der Rallycross EM und dem Bergrennsport wieder knüppeldick zurück und ihre Anziehungskraft haben sie bis heute erhalten. Daher möchte ich die wesentlichen Eckpunkte der Motorsportsaison 1987 noch etwas genauer darstellen.

     

    Im Rundstreckensport hing für uns Österreicher der Himmel voller Geigen, denn bis auf die damals einmalig ausgetragene Tourenwagen WM gastierten fast alle Serien am Österreich – oder am Salzburgring. Der Höhepunkt war sicher das gastieren der F1 am Ö – Ring und hier hatten wir mit Gerhard Berger im Ferrari einen wahren Schatz im Feld. Die F1 als solches erlebte im Jahr 1987 einen Umbruch, denn die arrivierten Stars wie Alain Prost oder Nelson Piquet bekamen heftigen Gegenwind von den jungen Wilden die neu in Szene kamen. Einer davon war eben unser Gerhard Berger, aber der hatte damals das Pech, dass ein Megatalent aus Brasilien ihn über Jahre das Leben schwer machen würde. Die Rede ist hier natürlich vom unsterblichen Ayrton Senna, der damals schon jene Einstellung in die Serie mitbrachte, die heute den Schumis und Vettels nachgesagt werden und außerdem war dieser „Wahnsinnige  des an die Grenze gehens“ mit jeder Menge Sieger - Genen ausgestattet. Die F1 sollte aber im Jahr 1987 auch die letzte Vorstellung für viele Jahre am Ö-Ring abliefern, denn es gab eine mächtige Startkarambolage und die zeigte, dass der damalige Ring in die Jahre gekommen war und wir mussten 10 Jahre und einen Generalumbau abwarten bis die Königsklasse des Motorsports wieder nach Österreich zurückkam. Andere Rennserien hatten hingegen kein Problem mit dem „alten“ Ring und somit kamen Rennserien wie die damals noch höchst attraktive Interserie mit der Le Mans Ikone Porsche 962 und die Tourenwagen EM nach Zeltweg. (Erst heute weis man, dass der Ring in Spielberg ist!) Eine recht neue österreichische Rennserie sorgte damals für Furore, denn der Reifenhersteller Semperit rief den Semperit – Cup ins Leben wo recht potente Serienfahrzeugen mit Einheits-Serienreifen des Typs Semperit High Speed ausgestattet waren und ordentlichen Motorsport machten. Die Serie wurde auf der Rundstrecke und bei Bergrennen ausgetragen und brachte neben furchtbaren Gequietsche auch Nachwuchsfahrer wie Wolfgang Treml oder Hans Jörg Mayerhofer hervor. Im Rahmenprogramm der diversen Serien hatten die ehemaligen Produktionswagen und Gr. 5 Boliden vom Schlage BMW M1 oder Porsche 935 ihren letzten Frühling. Am Salzburgring gastierte hingegen die boomende DTM in der Tourenwagensport vom Feinsten gezeigt wurde und eigentlich zerrt die Serie heute noch vom damals erworbenen Ruhm. Die Rennen der damaligen DTM mit der Marketingblase von heute zu vergleichen wäre eine Herabstufung der damaligen Aktion!!!

     

    Der Rallyesport der damaligen Zeit erfuhr wohl die heftigste Veränderung. Vorbei die Zeit der 500 und mehr PS Boliden, denn heute würde man sagen es gab ein „Downsizing“. Jeder Fahrzeughersteller hatte ein Basismodell und wollte in die neue Gr. A Meisterschaft. Wie sich aber recht schnell herausgestellt hat, haben nur die Verantwortlichen von Lancia die Homologationspapiere genauer durchgelesen, denn als einziger Hersteller hatten sie jeden Punkt ausgenützt (oft auch darüber) und mit dem Lancia Delta HF Turbo und später mit dem Integrale die damals ultimative Fahrmaschine im Programm. Bei den anderen Herstellern gab es entweder keinen Allrad (Ford – BMW), oder zu schwache Motoren (Mazda) und somit konnten nur Ausnahmekönner oder Zufallssiege die Lancia Erfolgsserie verhindern. Noch schlimmer erwischte es die frühere Rallye - Vorzeigemarke Audi, denn da gab es mit dem 80er quattro, dem Coupe quattro und dem riesigen 200er quattro gleich 3 Grundmodelle, aber für die Anforderungen des damaligen Rallyesports hat keines der Modelle was getaugt und da konnte auch ein Walter Röhrl am Steuer nichts ändern. Aus österreichischer Sicht hing der Rallyesport damals am goldenen Himmel, denn jede Menge Importeurskohle brachte die Stars Franz Wittmann sen., Sepp Haider oder Wilfried Wiedner in die ÖM zurück. Im Falle vom Franz Wittmann konnten wir einen lupenreinen Werks Lancia Delta HF Turbo bewundern und bei der Neuseeland Rallye gab es mit dem Franz den 1. WM Sieg eines Österreichers. Hinter den ÖM Stars von damals drängten jede Menge Nachwuchsfahrer wie Mundl Baumschlager, Sewi Hopfer, Raphael Sperrer oder der mittels Ford Casting gefundene Christoph Dirtl in die Meisterschaft. Mit dem Rallyesprint in Bruck an der Leitha  gab es in Österreich eine neue Rallye auf dem Privatgelände des selbst höchst rallyeaktiven Grafen Ernst Harrach. Bei der 1. Veranstaltung gab es die wohl größte Schlammschlacht im österreichischen Rallyesport ever und da es sich um nur eine Sonderprüfung rund um den „Käshof“ handelte, kamen am Beifahrersitz oft Promis oder Spitzsportler aus anderen Sportarten zum Einsatz, die hier medienwirksam in Szene gesetzt wurden.

     

    Auch der Bergrennsport erlebte einen kräftigen Umschwung. Immer mehr junge Top – Piloten vom Schlage Georg Plasa oder der oben schon erwähnte Wolfgang Treml drängten in die Serie. Der Bergrallyesport erlebte einen richtigen Aufschwung, aber auch den ersten tragischen Zwischenfall. Beim Training zur Bergrallye in Koglhof verlor ein Bergrallyefahrer die Herrschaft über sein Fahrzeug und stieß in eine Zuschaugruppe. Auf der Habenseite standen danach 4 verletzte Zuschauer (davon 2 Kinder) und dies sollte auch der letzte Auftritt auf der „alten und saugeilen“ Koglhofer Strecke gewesen sein. Am Fahrermarkt drängten auch im Bergrallyesport Talente wie Ewald Scherr oder Herbert Pregartner in die Serie und sollten uns bis heute erhalten bleiben. Das wohl geilste Bergrennen ging 1987 wohl am Rechberg über die Bühle, denn auf der Nennliste standen sämtliche Stars die der damalige Bergrennsport international hervorgebracht hat. Ein ganz großer österreichischer Fahrer bog aber damals in die „Bergrennpension“ ein, denn Willi Siller lieh sich beim Schnitzer Team in Freilassing den BMW M3 vom Roland Ratzenberger (ja genau, der dann in Imola tödlich verunglückt ist) aus und zeigte noch einmal seine Klasse auf. Wenn ich heute noch Namen wie Francies Dosieres, Jean Claude Jeanneret, Giovanni Rossi, Mauro Nesti oder auch Ander Vilarino auf der damaligen Nennliste sehe, läuft mir heute noch die Ehrfurcht vor dem damaligen Rennen über den Rücken runter. Es gab aber auch bei den Nationen einen Umbruch, denn immer mehr Teams aus dem damals noch kommunistischen Osten stellten sich der Hatz auf Europas Bergen.

     

    Last but not least möchte ich noch zum inoffiziellen Auffangbecken für ausgediente Gr. B Fahrzeugen kommen, und das war damals sicher die Rallycross Europameisterschaft. Waren früher zu Tode geschundene Audi Quattro Modelle oder wilde Porsche 911 Allrad - Konstruktionen die Macher so drängten nun feine Gr. B Boliden in der Königsklasse. Fast die ganze noch abrufbereite Flotte an Ford RS200 Boliden, einige Audi Sport Quattro Modelle wurden fürs Rallycrossblasen abgestellt. In den unteren Klassen machten sich Tourenwagen vom Schlage Ford Sierra Cosworth, BMW M3 oder Volvo 240 Turbo breit. In der Königsklasse waren die einzelnen Peugeot 205T16 E2 Modelle reine Werkswagen, denn der damalige Peugeot Sportchef Jean Todt hütete die Vorzeigeboliden der Franzosen wie edle Kugelschreiber und nur Auserwählte durften die Kraftprotze einsetzen und nach der Saison natürlich wieder zurückgeben. Lancia ging damals einen anderen Weg und verkaufte sämtliche S4 Modelle an wohlhabende Privatmänner, und wenn wir die heutige Rallylegend oder ähnliche Rennen ansehen war dies sicher für uns Motorsportfans der bessere Weg…Am Steuer der Top – Rallycrossboliden saßen dann zumeist Nordländer mit ehrfürchtigen und unaussprechlichen Namen die zumeist am Geldtropf von Herstellern hingen. Wenn ich heute noch an diese Zeit zurückdenke, wird wohl damals der Höhepunkt dieses Aktionsports gewesen sein. In Österreich gab es im damaligen Rallycross eine kleine aber feine Szene die sich halt finanziell recht schnell gegen die Decke streckte. Herausragender Fahrer war der Herbert Breiteneder, der mit seinem damaligen recht „brustschwachen“ 2er Golf GTi die oft doppelt so starken Klassengegner in den Wahnsinn trieb.

     

    Nach dem Motto „lasst Bilder sprechen“ möchte ich nun die damalige Zeit hinter mich lassen und habe einige Bilder vom Jahr 1987 zusammengesucht. Bitte die Bildqualität verzeihen, denn es handelt sich um digitalisierte Dias, die in 25 Jahren einiges mitgemacht haben und nur mehr so existieren. Die „Originale“ sind leider durch falsche Lagerung und Wasserschäden für immer verloren.

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